Steht Kanadas Immobilienmarkt vor dem Abgrund?

Als vor zehn Jahren die Immobilienblase in den USA platzte und eine zunächst nationale Wirtschaftskrise auslöste, blieben die Märkte im Nachbarstaat Kanada weitgehend verschont. Während die Immobilienpreise in den USA spürbar nachgaben, stiegen sie, vor allem in Kanadas Großstädten, immer weiter.

Doch nun scheint es, als würde auch der kanadische Markt einbrechen. Die Immobilienverkäufe in Toronto sanken im Juli im Vergleich zum Vorjahr um rund 40 Prozent. Verkäufer haben zum Teil Probleme, ihre Objekte überhaupt zu verkaufen – aufgrund der Verunsicherung am Markt springen die Käufer immer häufiger kurzfristig ab.

Auch landesweit verzeichnet die Canadian Realt Estate Association im Juni einen saisonbereinigten Rückgang der Verkäufe um 6,9 im Jahresvergleich. Mit der Folge, dass sich potentielle Käufer in den teuren Städten wie Toronto und Vancouver bereits zurückgezogen hätten, so der Chef des Branchenverbades Andrew Peck.

Ein entsprechender Einbruch bei den Immobilienpreisen ist in Kanada jedoch bislang nicht zu beobachten. Im Juni lagen sie im Vorjahresvergleich immer noch 18 Prozent höher. Gegenüber dem Vormonat Mai haben sie jedoch um deutliche fünf Prozent nachgegeben.

Ein Grund für den Einbruch ist vermutlich, dass die Kanadische Notenbank ihren Leitzins, im Juli von 0,5 auf 0,75 Prozent erhöht hat, möglicherweise um einer Überhitzung am Immobilienmarkt vorzubeugen. Mit steigenden Zinsen wird auch die Baufinanzierung teurer – potentielle Käufer werden abgeschreckt.

Sollte sich der Trend weiter fortsetzen und eine Preiskorrektur am Immobilienmarkt stattfinden, verlieren Immobilien an Wert und es droht eine ähnliche Entwicklung wie vor zehn Jahren in den USA. Experten halten ein solches Szenario zwar nach wie vor für unwahrscheinlich, doch seien die Chancen „von unendlich klein auf durchaus möglich“ gestiegen, so der Investmentchef der Vermögensverwaltung Mawer.

Auch am deutschen Immobilienmarkt geht seit Jahren die Angst vor einer möglichen Blase um. Indiz sind hier die rasanten Preissteigerungen, die kaum noch einen Gegenwert in dem finden, was durch Mieteinnahmen mit Immobilien zu erzielen ist.

Das Institut der deutschen Wirtschaft gab erst kürzlich eine neue Studie zu Risiken am Immobilienmarkt heraus. Auch wenn die Wissenschaftler derzeit keine Gefahr für eine Immobilienblase in Deutschland sehen, so seien doch Teilbereiche des Immobilienmarktes von größeren Wertverlusten in den kommenden Jahren bedroht.

So habe es einen regelrechten Bauboom für Einfamilienhäuser auf dem Land gegeben – jedoch auf der anderen Seite keine entsprechende Nachfrage. Auch bei Single-Apartments (beispielsweise in Frankfurt am Main) befürchten die Autoren der Studie in den kommenden Jahren ein Überangebot. Durch den Rückgang der Geburtenrate in den neunziger und nuller Jahren sinkt nun die Zahl junger Erwachsener und Studierender, die Hauptnachfrager für Mikroapartments sind.

Konsens ist: Der Immobilienmarkt in Deutschland ist bereits stark erhitzt und mit den Preissteigerungen wird es nicht wie gewohnt weitergehen. Auch starke Regulierungen bei den Mieten könnten in der Zukunft eine weitere Gefahr für einen Einbruch des Marktes darstellen. Die Experten vom Institut der deutschen Wirtschaft schätzen die Gefahr derzeit jedoch gering ein – sie prognostizieren im besten Fall eine weiche Landung für den Immobilien-Boom der vergangenen Jahre.

Quelle: ImmobilienScout24

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